Extreme Hochwasserstände verhindern | Rahmenplan für die Untere Mittelelbe

Deich bei Baförde nach der Aufkadung kurz vor dem Höhepunkt des Hochwassers im Juni 2013

„Wir wollen erreichen, dass die Hochwasserscheitel - also die höchsten Wasserstände - nicht mehr so extrem ausfallen wie im Juni 2013", so beschreibt Karsten Petersen die Intention für den „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe", der jetzt vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) vorgestellt wurde.Ziel ist es, durch geeignete Projekte eine deutliche Absenkung der Wasserstände bei Hochwasserereignissen herbeizuführen. Petersen hat den Plan federführend in der NLWKN-Betriebsstelle Lüneburg aufgestellt.

Der im Rahmenplan untersuchte Bereich der unteren Mittelelbe erstreckt sich von der niedersächsischen Landesgrenze bei Schnackenburg bis zum Wehr bei Geesthacht. Bestandteil des Plans ist eine sogenannte Schadenspotentialanalyse: Hier wird berechnet, welche Schäden im Falle eines Deichbruches im ungünstigsten Fall eintreten könnten. „Die Deiche entlang des 113 km langen Elbabschnitts schützen Werte in einer Größenordnung von 4,7 Milliarden Euro", erläutert Petersen.

Die Fachleute des NLWKN lassen keinen Zweifel daran: Hochwasser wird es auch künftig immer wieder geben, weil es sich dabei um ein natürliches Phänomen handelt. Langjährige Pegelaufzeichnungen machen deutlich, dass insbesondere die Hochwasserstände seit 2002 immer höher angestiegen sind. Diesen Trend gilt es zu stoppen, damit Hochwasserschutzanlagen wie Deiche und Schöpfwerke ihre Funktion auch in Zukunft sicher erfüllen können.

Der Rahmenplan beschreibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die den Abfluss des Hochwassers verbessern und bewertet diese im Hinblick auf ihre Wirksamkeit. Mit Hilfe von hydraulischen Berechnungen wurde präzise ermittelt, mit welchen Maßnahmen die besten Effekte zur Absenkung der Wasserstände im Hochwasserfall erlangt werden können. Für diese Aufgaben stand die Bundesanstalt für Gewässerkunde als wissenschaftlicher Kooperationspartner zur Verfügung.

Der Rahmenplan macht Vorschläge, die nun weiter untersucht werden: Probleme beim Hochwasserabfluss bescheren hauptsächlich die 24 bekannten Engstellen im niedersächsischen Elbabschnitt, wo zwischen den Deichen ein unzureichender Abflussquerschnitt gegeben ist. Besonderer Handlungsbedarf wird bei Abflussquerschnitten von weniger als 600 Metern gesehen. Vor diesem Hintergrund setzt sich der Rahmenplan im Grundsatz auch mit der Möglichkeit von Deichrückverlegungen auseinander. Als weitere Optionen werden Flutpolder, Gehölzrückschnitte, Anschlüsse von Altarmen, Bau und Reaktivierung von Flutrinnen, Vorlandabgrabungen sowie Umfluter genannt.

„Bei allen im Rahmenplan aufgezeigten Maßnahmen haben wir im Blick, dass die Elbtalaue eine sehr wertvolle naturnahe Landschaft darstellt. Sie ist als Biosphärenreservat, als FFH-Gebiet und als EU-Vogelschutzgebiet rechtlich besonders geschützt. Deshalb muss an Lösungen gearbeitet werden, die sowohl den Schutz der Bevölkerung gewährleisten als auch die typischen Lebensräume der Auenlandschaft erhalten", ergänzt Klaus-Jürgen Steinhoff vom NLWKN in Lüneburg.

Echemer beim Füllen von Sandsäcken im Juni 2013

Schon zu Beginn der Untersuchungen wurde schnell deutlich, dass die besonderen Herausforderungen des künftigen Hochwasserschutzes nur gemeistert werden können, wenn auf verschiedenen Ebenen Kooperationen eingegangen werden. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde der gesamte Arbeitsprozess durch eine Projektgruppe begleitet, die - interdisziplinär besetzt - aus Vertretern von Deichverbänden, Wasserbehörden, Gemeinden, Naturschutzverbänden, Naturschutzbehörde, Landwirtschaftskammer sowie Wasser- und Schifffahrtsverwaltung besteht.

Der „Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen an der unteren Mittelelbe" kann in Kürze beim NLWKN bestellt werden: www.nlwkn.niedersachsen.de / Service / Veröffentlichungen,Webshop / Neuerscheinungen.

Den Rahmenplan für abflussverbessernde Maßnahmen gibt es hier zum Downloaden.

 

Quelle: Extreme Hochwasserstände verhindern | Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz

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